Ostergruß 2020 des Bischofs

Ostergruß 2020

von Bischof Dr. Heinz Lederleitner

Die sonnigen Frühlingstage dieser Karwoche – Kar, ein altes Wort für Trauer – stehen im starken Kontrast zur weltweiten Pandemie, die vielen Menschen Krankheit und Tod bringt. So ist das Leben, immer spannungsreich und voller Kontraste. Widersprüchlich auch wir Menschen, auf der einen Seite lieben wir Harmonie und Frieden, auf der anderen Seite brauchen wir die Auseinandersetzung und die Diskussion, um weiter zu kommen. All das erleben wir hautnah im politischen Geschehen zwischen nationalem Schulterschluss und dem Ringen um Erhalt und Vertiefung einer offenen Gesellschaft.

Leben ist immer wieder das sich Eingewöhnen in neue Lebenssituationen. Kaum der Kindheit entwachsen werfen sich junge Menschen in das Ringen um Anerkennung ihrer selbst, das zu entdecken lebenslange Aufgabe bleibt. Leben, so spüren es viele, wird erst richtig lebendig, wenn es weiter geschenkt wird. Damit sind viele Herausforderungen verbunden, materielle und geistige Lebensgrundlagen sind Tag für Tag neu zu erschaffen. Dies kann auch zur Überforderung werden.

Momentan ist uns auferlegt, vieles zu meiden, was das Leben lebenswert macht: Soziale Kontakte und das Konsumieren von Dingen und Erlebnissen. Fast möchte ich sagen, wir leben wie im Kloster: Abgeschieden, der Stille ausgesetzt, zur Konzentration auf das „Systemrelevante“ verurteilt. Ja, was ist „systemrelevant“ für uns als Menschheit, diese Frage bohrt sich ganz tief ins Herz aller Sensiblen und Nachdenklichen.

In christlichen und vielen anderen religiösen Traditionen haben Menschen sich immer wieder eine gewisse Zeit bewusst in die Einsamkeit zurückgezogen, um das Systemrelevante ihres persönlichen Lebens zu entdecken. Wir haben nun auch die Zeit dazu. Nutzen wir sie! Vieles kann dadurch zusammenbrechen, Systeme wie Familien, Freundeskreise, Vereine und Kirchen erleben dies gerade hautnah. Was bleibt, wenn vieles ausfällt oder vertagt werden muss? Und wie umgehen mit der plötzlichen Dichte auf engem Raum und der elektronischen Dichte an guten oder zumindest gut gemeinten Gedanken und spirituellen Botschaften? Pausenclowns, Gurus und Propheten haben nun ihre Chancen auf Erfolg, aber auch ihre Zeit geht vorüber.

Was bleibt? Im großen Welttheater sind auch die Tage der Pandemie gezählte Tage. Wie werden wir uns in einigen Jahren daran erinnern? Ans Herz legen darf ich Ihnen in dieser Zeit das, was österliche Gewissheit für mich bedeutet.

Jenseits aller Aufgeregtheit und ohne alles Pathos das stille Aufleuchten der Osterkerze am Osterfeuer: Ich erinnere mich dabei an die Osternacht 1981 im damals staubigen und ärmlichen Vorort von Rom, Centro Giano. Am Vorplatz der kleinen Kirche, die im Jahr davor aus einer Halle umgebaut wurde, umgeben von einer Gruppe von Gläubigen aller Altersgruppen, im Hintergrund vorbeifahrender Autos, die von Radiomusik beschallt durch die Schlaglöcher der nicht asphaltierten Straße ächzen und knatternder Mopeds mit fröhlich winkenden Jugendlichen. Die klare, präzise, durchdringende, aber in keiner Weise aufdringliche Stimme des Priesters Don Luigi di Liegro beim Bezeichnen der Osterkerze:

Christus, gestern und heute,
Alpha und Omega,
sein ist die Zeit und die Ewigkeit,
sein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit.

Ich grüße Sie mit einem knappen Wort der Verbundenheit jenseits aller religiösen Bevormundung, die uns Altkatholikinnen und Altkatholiken erfreulicherweise fremd ist und immer fremd bleiben wird; mit einem Herzenswunsch: Bleiben Sie wie Sie sind und werden Sie so, wie Sie es sich wünschen. In diesem Sinn, auf gut Deutsch und Österreichisch:

Frohe Ostern!

 

Dr. Heinz Lederleitner
Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs