Altkatholische Teilnahme an Demonstration

Am 22.01.2020 von 16.30 bis 18.30 Uhr fand in Wien eine Kundgebung von "Palästina Solidarität Österreich" statt. Im Einvernehmen mit Bischof Dr. Heinz Lederleitner hat Bischof em. Bernhard Heitz daran teilgenommen und den folgenden Text als Einleitung und Eröffnungsrede verlesen (Youtube-Video), den Bischof Dr. Lederleitner vollinhaltlich unterstützt:

Demonstration "Kritik an Vertreibung und Kolonialismus muss erlaubt bleiben!" 

Wann: 22.01.2020, 16.30 bis 18.30 Uhr
Wo: Stephansplatz, Wien
Veranstalter: Palästina Solidarität Österreich

Einleitung und Eröffnungsrede von Bischof em. Bernhard Heitz 

Verehrte Kundgebungsteilnehmende!

Als emeritierter Bischof der Altkatholik*innen und als Österreicher deutscher Herkunft darf ich im Einvernehmen mit dem leitenden Bischof unserer Kirche, Dr. Heinz Lederleitner, ein Friedens- und Versöhnungszeugnis und ein Statement für das Recht auf freie Meinungsäußerung in unserem Land beitragen.

  1. Als Christ, Mitbürger und geschichtlich denkender Mensch stehe ich zur besonderen Verantwortung Deutschlands und Österreichs nach dem, was im deutschen Namen unter Hitler unseren „älteren Geschwistern“, den jüdischen Mitbürger*innen angetan worden ist, voll zum Existenzrecht des Staates Israel.
    In gleicher Weise trete ich für das Recht der Menschen in Palästina auf einen eigenen Staat ein.
  2. Aus der Geschichte weiß ich, dass auf Unrecht. Unterdrückung von Minderheiten, Besatzungsgewalt, Apartheid und Ausgrenzung von Menschen, Volksgruppen und Völkern auf Dauer kein Segen ruht. Das zeigen auch die Lage der Menschen in Gaza und Palästina wie auch das Beispiel der Schwarzen im ehemaligen Südafrika und ihres Anführers Nelson Mandela.
  3. Als Christ und Theologe stehe ich ebenso zum christlich-jüdischen und interreligiösen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen und habe in der letzten Woche am 17.01. den „Tag des Judentums“ mitbegangen und feiere in dieser „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ die Gottesdienste des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich mit.
  4. Ich spreche nicht zuletzt als Mitglied des Projektes „Weltethos Österreich“: Danach gelten die Menschenrechte und die „Goldene Regel jeglicher Religion“ als universal: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Und im Projekt „Weltethos Österreich“ heißt es: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Achtung und Liebe, Gewaltfreiheit und gerechte und faire Behandlung“; und natürlich auch das Recht auf freie Meinungsäußerung im demokratischen Kontext eines freien Landes, wie es Österreich ist.

Die Abgeordneten im Nationalrat sind aufgerufen, dies alles in differenzierender Weise bei ihrer Entscheidung mitzubeachten.

Erlauben Sie mir bitte, aus der Bergpredigt Jesu, der zeit seines Lebens Jude war und blieb und unser Christentum „mit den Gaben seines Volkes, der hebräischen Bibel, seinem Bund mit Gott, dem Gottesdienst und seinen Verheißungen reich beschenkte“ (aus: Liturgie zum „Tag des Judentums“) zu zitieren:

„Selig, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten (...)“ (Mt 5,6)

„Selig sind die Barmherzigen (...)“ (Mt 5,7)

„Selig sind die, die für den Frieden arbeiten (...)“ (Mt 5,9)

und: „Alles nun, das ihr wollt, das euch die Leute tun, tut es ihnen ebenso!“ (Mt 7,12).