Gruß des Bischofs zum Advent

Gruß des Bischofs
zum Advent 2020

Ein ereignisreiches Jahr geht für uns alle zu Ende. Das beherrschende Thema war die Pandemie, in letzter Zeit auch der Terroranschlag in Wien. Krisenhafte Entwicklungen, natürlich auch was den Klimawandel betrifft. Die Krise ist zum Dauerzustand geworden.

Für unsere Kirchengemeinden eine schwere Zeit, nicht nur was die Finanzen betrifft. Seelsorge und Gemeinschaft via Internet ist immer nur eine halbe Sache. Persönliche Begegnungen können durch nichts anderes ersetzt werden. Vieles ist im Umbruch: Nicht immer ist es gelungen, die verschiedensten Sichtweisen bei den anstehenden Veränderungen zusammen zu führen. Da bleibt manches an Frust, manchmal auch an Müdigkeit und die Versuchung der Resignation. Vielleicht da und dort auch die Suche nach Sündenböcken. All das ist menschlich, allzu menschlich.

Advent ist die Zeit der Wachsamkeit und des Blickes nach vorn: Wagen wir es: Etwas auf die Beine stellen, „wo zwei oder drei In Jesu Namen beisammen sind“. So hat Kirche angefangen. Und weil sie immer neu anfangen muss, um nicht an ein selbstverschuldetes Ende zu kommen, muss sie auch heute so anfangen.

Advent ist die Zeit, sich zu fragen, was uns im Innersten zusammenhält.

Kirche ist Gemeinschaft auf einem geistlichen Weg. Das heißt: Wir sind nicht aus eigener Kraft eine Kirche, sondern leben aus der Kraft des Geistes Gottes. So ist auch „unsere Kirche“ nicht unsere Kirche in dem Sinn, dass sie „uns“ gehören würde. Wir sind also, wie es das Evangelium sagt „unnütze Knechte“ und natürlich auch „unnütze Mägde“. Selbst wenn alles an bester Organisation nach menschlichem Ermessen getan wäre, bleibt noch „dem Herrn zu dienen“. Das meine ich, wenn ich, auch als Bischof, sage: „Diese Kirche ist nicht meine Kirche.“ Sie gehört nicht mir, nicht der Synode, nicht dem Synodalrat, nicht den Geistlichen, nicht den Laien, und natürlich, wir Altkatholik*innen betonen es, auch nicht „dem Papst“. Sie ist von ihrem Wesen her „die dem Herrn Zugehörige“. Wenn uns dies bewusst bleibt, dann leben wir in der Haltung, dass nicht unsere eigene konfessionelle Identität, sondern die Einheit der Christen die prioritäre Vision bleiben muss, die uns beseelt. Denn nur „der einen Kirche“ ist versprochen, dass „die Pforten der Hölle sie nicht überwinden“.

Wir sind als Altkatholik*innen allergisch gegen „fromme Sprüche“. Wir wissen nur allzu gut, wie sehr wir hinter dem zurückbleiben, was dem Ideal entspricht, das ich skizziert habe. Doch, so denke ich, lassen wir uns von dem anziehen, was der Advent verspricht. Die Ankunft Gottes mitten in unserer mühseligen Alltagsrealität. Denn die Krippe ist keine Idylle, sondern eine Zumutung. Dass über ihr der Stern Gottes leuchtet und den Hirten von Engeln eine frohe Botschaft verkündet wird, vermögen wir nur mit den Augen des Glaubens zu sehen und mit den Ohren der Liebe zu hören. Solche offenen Augen und Ohren wünsche ich uns. Dann riechen wir ihn vielleicht auch, den Duft der Hoffnung.

Von Herzen einen gesegneten Advent und frohe Weihnachten!

In Verbundenheit

+ Bischof Dr. Heinz Lederleitner
Altkatholische Kirche Österreichs