Altkatholische Kirche bittet um Vergebung

Schon vor der NS-Diktatur wurde das Büro der Kirchenleitung im Gebäude Schottenring 17 bezogen. Die Altkatholische Kirche bittet bei der Gedenkfeier am Judenplatz in Wien um Vergebung, dass sie oftmals wegschaute, selbst dann, als über die Kriegsjahre hinweg Hausbewohner deportiert wurden. Insgesamt sah die Altkatholische Kirche das neuen Regime wenig kritisch. Vereinzelt waren Altkatholische Priester bereit, die Stimme zu erheben.

Bei der (heutigen/Donnerstag, 20. September 2018) Gedenkfeier am Judenplatz bat Bischof Dr. Lederleitner um Vergebung für die "Haltung des Wegschauens" während der NS-Diktatur. "Es ist uns bewusst: Jede Bitte um Vergebung den Opfern gegenüber ist angesichts der maßlosen Verbrechen den Opfern gegenüber vermessen", leitete Lederleitner ein.

Der damalige Bischof der Altkatholischen Kirche, Robert Tüchler, richtet 1939 eine Huldigungsbotschaft an Hitler. Wie vielerorts verschwanden auch in jenem Gebäude am Schottenring, in dem die Kirchenleitung eingemietet ist, Nachbarinnen und Nachbarn über Nacht. Der Prostet der Altkatholischen Kirche blieb aus. Bei der Gedenkfeier wurden die Namen der Deportieren öffentlich verlesen.
Gedacht wurde aber auch jener altkatholischen Priester, die sich gegen das Regime wandten und ihr Leben riskierten, um jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger zu unterstützen.

Bei der Gedenkfeier anwesend waren unter anderem Erzbischof Dr. Joris Vercammen (Utrecht/NL), alle Bischöfe der Utrechter Union Altkatholischer Kirchen, Vertreterinnen und Vertreter der orthodoxen Kirche, der evangelischen Kirchen, anderer Kirchen und Glaubensgemeinschaften und der Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich. Eine Grußbotschaft vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, wurde verlesen.

Unter den über 500 Besuchern befanden sich auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 32. Internationalen Altkatholiken-Kongresses, der derzeit in Wien stattfindet. Dieser Kongress mit Vertreterinnen und Vertreter aus 16 Ländern, soll der Anstoß sein, sich unmissverständlich in gesellschaftliche Prozesse konstruktiv einzubringen. Die Menschenrechte sind für die Altkatholische Kirche die Leitlinien, gegen jede Form von Fremdenhass, Diskriminierung und Stigmatisierung aufzutreten.